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Verlauf und Folgen der Angststörungen

Die Diagnose einer Angststörung wird im Durchschnitt erst 5-10 Jahre nach Erstauftreten von Symptomen gestellt. Demnach kann man also davon ausgehen, dass die Störung zum Zeitpunkt der Diagnosestellung schon längst einen chronischen Verlauf angenommen hat. Dies zeigt sich bei der Agoraphobie, der spezifischen Phobie und bei der sozialen Phobie bei ungefähr der Hälfte der Fälle. Bei Panikstörungen kommt es besonders häufig zu einem chronischen Krankheitsverlauf. Nur bei ungefähr 20% der Fälle kommt es zu einer Spontanremission. Ein chronischer Verlauf der Angststörung, sowie das gleichzeitige Auftreten einer sekundären Depression oder eines Substanzmissbrauchs gelten als besonders ungünstige prognostische Faktoren. Werden Angststörungen zu spät behandelt, kommt es häufig zur Erwerbsunfähigkeit der Betroffenen. Auch Hilflosigkeit, Verzweiflung, soziale Isolation, familiäre Probleme, Arbeitsunfähigkeit und Existenznöte sind gravierende Folgen für die Betroffenen.

Untersuchungen haben ergeben, dass die Sterblichkeitsrate von Menschen, die unter Angststörungen leiden, im Vergleich zu Gesunden leicht erhöht ist. Allerdings ist es noch unklar, ob dies auf die erhöhte Suizidrate bei Angststörungen zurückzuführen ist, oder ob auch andere Gründe eine Rolle spielen, da man ebenfalls eine erhöhte Rate kardiovaskulärer, gastrointestinaler und respiratorischer Krankheiten festgestellt hat.

Agoraphobie:

Die Agoraphobie und die Panikstörungen sind besonders beeinträchtigend für die Lebensführung. Durch das typische Vermeidungsverhalten und Generalisierung, d.h. eine Ausweitung der Angst auf ähnliche Situationen, wird der Aktionsradius immer mehr eingeschränkt. Dies kann letztendlich dazu führen, dass die schützende Wohnung nicht mehr verlassen wird. Da es den Betroffenen bewusst ist, dass ihr Verhalten nicht normal ist, versuchen sie anfangs ihre Störung vor Bekannten und Verwandten zu verbergen, indem sie viele Ausreden für ihr Vermeidungsverhalten gebrauchen. Im Laufe der Zeit zieht sich der Betroffene immer mehr vom früheren Bekannten- und Freundeskreis zurück und schränkt seine Freizeitaktivitäten zunehmend ein. Beim Fortschreiten der Erkrankung wird mehr und mehr die ganze Familie in Mitleidenschaft gezogen. Viele Agoraphobiker sind so eingeschränkt, dass sie ihre beruflichen und familiären Verpflichtungen nicht mehr erfüllen können. Gemeinsame Urlaubsplanungen mit der Familie sind z.B. gar nicht oder nur noch bedingt möglich. Partner und Kinder der Betroffenen müssen immer die Einkäufe und Botengänge erledigen oder den Agoraphobiker dabei begleiten. Dies kann letztendlich zu schweren familiären Konflikten führen, wenn die Angehörigen das Verhalten des Betroffenen nicht mehr länger unterstützen möchten. Zur Berufsunfähigkeit kommt es oft dadurch, dass der Betroffene nicht mehr fähig ist, zur Arbeitsstelle zu fahren (z.B. mit Zug oder Bus).

Panikstörungen:

Nach einer deutschen Studie sind die Folgen der Panikstörungen davon abhängig, in welchem Alter erstmalig eine Panikattacke aufgetreten ist. Liegt der Zeitpunkt des ersten Auftretens einer Panikattacke vor dem 25.Lebenjahr, kommt es häufig zusätzlich zu einer anderen Angststörung. Sind die Panikattacken erst in höherem Alter erstmalig aufgetreten, kommt es oft sehr schnell (innerhalb eines Jahres) zu einer sekundären Depression, Substanzmissbrauch oder Mehrfacherkrankung. In 50-65% der Fälle kommt es bei Menschen mit Panikstörungen zu einer Depression. Aufgrund der großen Erwartungsängste nehmen die Panikpatienten besonders in der Frühphase der Erkrankung besonders oft ärztliche Hilfe in Anspruch. Sie bestehen immer wieder auf medizinische Untersuchungen zur Abklärung ihrer Krankheitssymptome und lassen sich häufig wiederholt von Fachärzten untersuchen, auch wenn ihnen schon von verschiedenen Ärzten versichert wurde, dass keine organische Erkrankung vorliegt. Die nicht kontrollierbar erscheinenden Panikattacken führen zu einer depressiven Erschöpfung und Resignation. Es folgen oft lange Krankenstandszeiten und im Extremfall kann eine Berufsunfähigkeit eintreten. Um die Erwartungsängste besser ertragen zu können, kommt es häufig zum Missbrauch von Alkohol oder Medikamenten. In extremen Fällen haben die Betroffenen große Furcht vor dem Alleinsein, da sie Angst davor haben, den Symptomen hilflos ausgeliefert zu sein. Dies macht sie nach und nach abhängig von einer Vielzahl von Helfern (z.B. Freunde, Bekannte, Ärzte, Psychotherapeuten). Menschen mit Panikstörungen sind auch oft in ihrer Bewegungsfreiheit sehr eingeschränkt, da sie bestimmte Situationen, die als Auslöser für Panikattacken in Frage kommen könnten, meiden. Im Vergleich zu anderen Angstpatienten weisen Menschen mit Panikstörungen die größten psychosozialen Beeinträchtigungen auf. Dies ist jedoch davon abhängig, wie ausgeprägt die zusätzliche depressive Symptomatik des Betroffenen ist. Aus Angst, die Symptome zu provozieren und z.B. einen Herzinfarkt zu bekommen, in Ohnmacht zu fallen oder verrückt zu werden, nehmen die Betroffenen eine übermäßige Schonhaltung ein. Auch Panikpatienten, die früher sehr sportlich waren, schränken ihre körperlichen Aktivitäten extrem ein. Durch die mangelnde Kondition werden jedoch die Symptome, die der Betroffene eigentlich vermeiden möchte, erst recht begünstigt.

Soziale Phobie:

Eine Soziale Phobie entwickelt sich langsamer als andere Angststörungen. Anfangs macht sich nur eine Schüchternheit oder Zurückhaltung bemerkbar, die sich im Laufe der Zeit immer mehr ausprägt und schließlich zu verschiedenen beruflichen und privaten Problemen führt. Oft bleiben die Betroffenen unverheiratet bzw. haben keinen festen Partner. Dadurch fehlen meist sexuelle Erfahrungen oder es bestehen sexuelle Probleme. Die häufigste Begleit- und Folgesymptomatik der sozialen Phobie ist die Depression. Daneben kommt es aber auch oft zu Alkohol- und Medikamentenmissbrauch und vegetativen Störungen. Viele der Betroffenen haben Selbstmordgedanken und bei rund 15 % kommen Suizidversuche vor. Ungefähr 20 % der Sozialphobiker entwickeln Zwangssymptome, wie z.B. Ordnungs- und Putzzwänge, Kontroll- und Gedankenzwänge. Dies ist vermutlich auf die gefürchteten sozialen Konsequenzen zurückzuführen.

Spezifische Phobie:

Menschen, die unter einer spezifischen Phobie leiden, können meist über lange Zeit psychosozial unbeeinträchtigt leben und sozial funktionieren. Es kann jedoch auch zu einem akuten Entwicklungsverlauf kommen, wenn die Phobie durch eine traumatische Erfahrung oder eine unerwartete Panikattacke ausgelöst wird. So lange die spezifische Phobie das Leben nicht unnötig einengt oder zu gefährlichen Situationen führt (z.B. Autounfall wegen Kleintierphobie, Radunfall wegen Hundephobie), stellt sie keine große Belastung dar.

Generalisierte Angststörung:

Personen, die unter einer generalisierten Angststörung leiden, weisen häufig noch eine oder mehrere andere psychische Störungen auf. Oft besteht gleichzeitig eine spezifische Phobie, soziale Phobie, oder eine Depression. Nur ein Drittel der Betroffenen weisen eine reine Angststörung auf. Obwohl die generalisierte Angststörung der zweithäufigste psychische Konsultationsgrund bei Hausärzten ist (WHO-Studie) und sich die Betroffenen in ihrem Leben erheblich beeinträchtigt fühlen, wird die Erkrankung meist erst sehr spät erkannt. Die Störung beginnt meist langsam und hat oft einen sehr schwierigen chronischen Verlauf. Aufgrund der vielen unterschiedlichen körperlichen Symptome werden die Betroffenen meist nur mit Medikamenten (meist Beruhigungs- und Schlafmittel) behandelt.

Zwangsstörung:

Die Störung entwickelt sich meist schleichend, kann jedoch durch einen bestimmten Auslöser auch ganz plötzlich beginnen. Zwangspatienten schämen sich wegen ihrer zwanghaften Gedanken und Verhaltensweisen und haben oft Angst, für verrückt gehalten zu werden. Deshalb versuchen sie ihre Erkrankung so lange wie möglich vor anderen zu verheimlichen und suchen meist erst in einem sehr späten Stadium der Erkrankung ärztliche Hilfe auf, wodurch die Behandlung erheblich erschwert wird. Häufig bestehen zu diesem Zeitpunkt bereits vielfältige familiäre, soziale und berufliche Probleme. Ohne adäquate Behandlung ist der Verlauf einer Zwangsstörung oft chronisch stabil, fortschreitend oder schwankend. Wenn die Störung bereits länger als ein Jahr vorhanden ist, kommt es nur selten zu einer Spontanheilung. Es besteht häufig eine Komorbidität der Zwangsstörung mit einer anderen psychischen Störung, vor allem mit einer Depression.

Posttraumatische Belastungsstörung:

Der Verlauf einer posttraumatischen Belastungsstörung ist sehr schwankend. Es ist zwar in den meisten Fällen eine Heilung möglich, allerdings oft erst nach Jahren. Bei einem sehr schwierigen chronischen Verlauf kann es zu einer erheblichen Persönlichkeitsstörung kommen. Dadurch können neue Symptome auftreten, wie z.B. eine feindliche misstrauische Haltung der Welt gegenüber, sozialer Rückzug, Entfremdung oder Gefühl der Leere. Für die Betroffenen besteht ein erhöhtes Risiko, an einer anderen Angststörung oder an einer Depression zu erkranken. Nicht selten kommt es auch zu Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch.