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Krankheitsbilder

Panikstörung

Im ICD 10 wird die Panikstörung wie folgt beschrieben:

"Das wesentliche Kennzeichen sind wiederkehrende schwere Angstattacken (Panik), die sich nicht auf eine spezifische Situation oder besondere Umstände beschränken und deshalb auch nicht vorhersehbar sind. Wie bei anderen Angsterkrankungen zählen zu den wesentlichen Symptomen plötzlich auftretendes Herzklopfen, Brustschmerz, Erstickungsgefühle, Schwindel und Entfremdungsgefühle (Depersonalisation oder Derealisation). Oft entsteht sekundär auch die Furcht zu sterben, vor Kontrollverlust, oder die Angst, wahnsinnig zu werden." Die Betroffenen machen sich meist Sorgen über das Auftreten einer weiteren Panikattacke (Erwartungsangst) und in bestimmten Situationen ist die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Angstattacke erhöht. Im späteren Verlauf der Panikstörung kann eine Agoraphobie auftreten. Eine Panikstörung ohne Agoraphobie ist jedoch etwa doppelt so häufig wie diejenige mit Agoraphobie. Bei der Diagnosestellung müssen sowohl organische Ursachen (z.B. Schilddrüsenüberfunktion) als auch Nebenwirkungen von Medikamenten oder Substanzkonsum (z.B. Amphetamine) ausgeschlossen werden.

Agoraphobie

Die Bezeichnung "Agoraphobie" kommt aus dem Griechischen ("agora" = Marktplatz und "phobos" = Angst) und heißt auf Deutsch "Platzangst". Allerdings bezieht sich die Angst nicht nur auf offene Plätze, sondern auf alle möglichen öffentlichen Orte (z.B. Kaufhäuser, Restaurants, Kinos u.a.) und Menschenansammlungen. Die Angstsymptome treten vor allem dann auf, wenn der Betroffene seine gewohnte oder schützende Umgebung verlässt (z.B. die eigene Wohnung, bekannte und sichere Gegend, Zusammensein mit der Familie oder Freunden). Die Platzangst tritt häufig zusammen mit der Panikstörung auf. In bestimmten Situationen kommt es zu Symptomen wie Herzklopfen, Schwindel, Ohnmachtsgefühle, Todesängste, "Furcht vor dem Irrewerden" und der Angst, die Kontrolle zu verlieren. In Begleitung einer bekannten Person verschwinden die Angstgefühle. Das zentrale Merkmal der Agoraphobie stellt die "Angst vor der Angst", d.h. die Erwartungsangst dar. Meist ist den Betroffenen völlig unklar, was ihnen eigentlich Angst macht. Sie haben phobische Ängste, die eigene Wohnung zu verlassen, alleine einkaufen zu gehen, sich in einer Menschenmenge oder auf öffentlichen Plätzen aufzuhalten oder alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen. Es werden alle öffentlichen Orte, Situationen und Menschenansammlungen gemieden, wo beim Auftreten einer Panikattacke eine Flucht schwierig oder peinlich oder aber keine Hilfe verfügbar wäre. Besonders große Angst macht die Vorstellung, die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren (z.B. ohnmächtig zu werden) und der Reaktion der Umwelt hilflos ausgeliefert zu sein. Viele Agoraphobiker haben auch die Befürchtung, in einer solchen Situation plötzlich völlig den Verstand zu verlieren und verrückt zu werden. Alle Situationen, in denen es kein Fluchtweg gibt, werden konsequent gemieden oder können nur unter großer Angst und Belastung durchgestanden werden. Da die Betroffenen den gefürchteten Situationen konsequent ausweichen, um möglichst wenig Angst zu erleben, kommt es als Folge zu immer größeren Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, vor allem beim Reisen. Außerhalb der Wohnung wird eine Begleitperson notwendig. Oft führt das ausgeprägte Vermeidungsverhalten zu einem totalen Rückzug in die eigene Wohnung und damit zur sozialen Isolation.

Spezifische Phobie

Eine spezifische Phobie ist eine dauerhafte, unangemessene und intensive Angst und Vermeidung von spezifischen Objekten oder Situationen. Ausgeschlossen sind die Furcht vor plötzlichen Angstanfällen (Paniksyndrom) und vor sozialen Situationen (Sozialphobie). Die am häufigsten vorkommenden Phobien beziehen sich auf bestimmte Tiere (z.B. Spinnen, Raten, Hunde, Schlangen), Höhen, zahnärztliche Behandlung, das Fliegen, enge Räume, Blut oder Spritzen. Die Ängste können so stark sein, dass sie die normale Lebensführung beeinträchtigen und ausgeprägtes Leiden verursachen. Eine Konfrontation mit dem gefürchteten Stimulus löst fast immer sofort Angst aus. Manchmal kann die Situation bzw. das Objekt ertragen werden, allerdings nur unter intensiver Angst.

Soziale Phobie

Menschen die unter einer sozialen Phobie leiden, haben Angst vor Situationen, in denen sie einer prüfenden Betrachtung durch andere Menschen ausgesetzt sind. Die Angst vor solchen Situationen führt zur Vermeidungsreaktion. Stark ausgeprägte soziale Phobien sind oft mit einem niedrigen Selbstwertgefühl und der Furcht vor Kritik verbunden. Körperliche Begleitsymptome der Erkrankung sind oft Erröten, Händezittern, Übelkeit oder Drang zum Wasserlassen. Die Angstreaktionen können sich bis zur Panikattacke entwickeln. Typische Auslösersituationen für soziale Ängste sind z.B. sich in Gegenwart anderer zu äußern, in der Öffentlichkeit eine Rede zu halten, an Veranstaltungen teilzunehmen, von anderen beobachtet zu werden und vor anderen zu essen, zu trinken, oder zu schreiben. Die Betroffenen stehen meist unter einem hohen Leidensdruck, da sie in ihrer beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit massiv eingeschränkt sind. Sie sind sich dessen bewusst, dass ihre Ängste übertrieben und unbegründet sind, können aber ihr Angst- und Vermeidungsverhalten nicht kontrollieren. Die Soziale Phobie betrifft meist alle möglichen sozialen Situationen, kann aber auch isoliert vorkommen, wie z.B. in Form einer Bühnenangst oder Prüfungsangst.

Generalisierte Angststörung

Die generalisierte Angststörung ist eine generalisierte und anhaltende Angst, die nicht auf bestimmte Situationen in der Umgebung beschränkt ist, sondern "frei flottierend" auftritt. Diese Form der Angststörung ist charakterisiert durch übertriebene, unrealistische, andauernde Besorgnisse, Ängste und Befürchtungen in Bezug auf vielfältige Aspekte des Lebens, die während mindestens 6 Monaten in der Mehrzahl der Tage auftreten. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten die Sorgen und Befürchtungen zu kontrollieren, obwohl sie diese als unbegründet und belastend erkennen. Das ständig erhöhte Angstniveau bewirkt zwar in der Regel keine Panikattacken, es kann jedoch zu motorischer Anspannung und vegetativen Symptomen führen. Die Ängste und Sorgen sind oft mit anderen Symptomen, wie Ruhelosigkeit, leichte Ermüdbarkeit, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit, Muskelspannung oder Schlafstörungen verbunden. Im Gegensatz zur Panikstörung beginnt die generalisierte Angststörung oft langsam und schleichend und manifestiert sich meist erst im Alter von 25-50 Jahren. Der Krankheitsverlauf ist nahezu immer chronisch, jedoch Schwankungen unterworfen und verschlechtert sich meistens in Belastungssituationen.

Zwangsstörung

Was die Zuordnung der Zwangsstörungen angeht, bestehen zwischen den beiden maßgeblichen Diagnoseschemata wesentliche Unterschiede. Während das internationale ICD-10 die Zwangsstörung den neurotischen Störungen zuordnet, werden sie im amerikanischen DSM-IV zu den Angststörungen gezählt. Die wesentlichen Kennzeichen einer Zwangsstörung sind wiederkehrende Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen. Im DSM-IV werden die Zwänge als sehr zeitaufwendig beschrieben, d.h. es wird mehr als eine Stunde pro Tag dafür aufgewendet. Die Betroffenen stehen unter einem erheblichen Leidensdruck, werden in ihrem Tagesablauf oder bei beruflichen und sozialen Aktivitäten deutlich beeinträchtigt. Nach dem ICD-10 müssen die Zwangsgedanken und/oder Zwangshandlungen mindestens zwei Wochen bestehen, um eine Zwangsstörung diagnostizieren zu können. Daneben müssen andere psychische und organische Störungen ausgeschlossen werden.

Posttraumatische Belastungsstörung

Bei der posttraumatischen Belastungsstörung handelt es sich nach dem ICD-10 um "eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde." Wesentliche Merkmale sind das wiederholte Erleben dieses Ereignisses in Form von Erinnerungen, Träumen oder Alpträumen. Die Betroffenen versuchen alle Aktivitäten und Situationen zu vermeiden, die diese Erinnerungen wieder wachrufen könnten. Die emotionale Befindlichkeit der Betroffenen ist oft charakterisiert durch Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit und Freudlosigkeit. Oft kommt es zu vegetativer Übererregtheit mit Vigilanzsteigerung, einer übermäßigen Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen, Angst und Depressionen.