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Komorbidität von Angststörungen mit anderen psychischen Erkrankungen

Menschen, die unter einer Angststörung leiden, entwickeln im Laufe des Lebens häufig mindestens eine weitere Angststörung. So kann sich zum Beispiel bei Personen, die unter einer Panikstörung leiden, zusätzlich eine Agoraphobie, eine spezifische Phobie, eine soziale Phobie oder eine generalisierte Angststörung entwickeln. Verschiedene Studien zeigen, dass ein deutlich höheres Risiko besteht eine Panikstörung, eine Agoraphobie oder eine andere Angsterkrankung zu bekommen, wenn die Erkrankung anfangs mit einer Panikattacke beginnt. Da jedoch auch bei vielen anderen Formen psychischer Störungen Panikattacken auftreten können, ist dieses Risiko allerdings relativ unspezifisch.

Angststörungen treten auch oft zusammen mit anderen psychischen Erkrankungen auf.

"Nach den Befunden des BGS 98 sind sie gleichzeitig bei depressiven Erkrankungen (31% aller Angststörungen), bei somatoformen Störungen (25%) sowie der Alkoholabhängigkeit (10%) zu beobachten. Meistens entwickelt sich eine komorbide Störung jedoch erst mehrere Jahre nach Beginn der Angststörung. Bei der Generalisierten Angststörung und der Panikstörung ist das Risiko für sekundäre komorbide Störungen besonders ausgeprägt.

Bei vielen Menschen mit Angststörungen lässt sich auch eine Persönlichkeitsstörung diagnostizieren. Es wurden z.B. bei 40-60% der Panikpatienten mit und ohne Agoraphobie gleichzeitig eine oder mehrere Persönlichkeitsstörungen gefunden. Meistens handelt es sich hierbei um eine dependente (abhängige) oder um eine ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung.

Angststörung und Depression

Friedrich Strian (Facharzt für Neurologie und Psychiatrie) schreibt in seinem Buch "Angst und Angstkrankheiten": "Angst und Depression sind einander verwandte Emotionen, die oft gemeinsam vorkommen, aber getrennt verstanden und behandelt werden müssen.

Beide rühren an die Grundängste des Menschen, beide erschüttern das Vertrauen und die Kraft zur Hoffnung. Beide Emotionen haben viele phänomenologische, aber auch ursächliche Verbindungen."

Depressionen sind psychische Störungen, bei denen es zu Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Traurigkeit, Interessensverlust, Freudlosigkeit, psychomotorischer Hemmung, Selbstentwertung, Libidoverlust, Hoffnungslosigkeit und Suizidgedanken kommen kann. 70-95% der Menschen, die unter einer Depression leiden, weisen gleichzeitig auch Angstsymptome in unterschiedlicher Ausprägung auf. Falls nach der Behandlung der Depression die Angstsymptome bestehen bleiben, spricht dies dafür, dass bereits vor der Depression schon eine Angststörung vorlag.

Menschen, die zunächst "nur" unter Angstzuständen leiden, tragen ein hohes Risiko, früher oder später an einer Depression zu erkranken. Ungefähr 70% aller Menschen, die Panikattacken haben, und rund 40% der Menschen mit generalisierten Angststörungen und Phobien leiden zusätzlich an Depressionen. Es ist jedoch nicht immer so, dass Depressionen, die erst nach Angstsymptomen auftreten "nur" eine psychische Reaktion auf die Entmutigung durch die Ängste ist, sondern es handelt sich nicht selten tatsächlich um eine weitere unabhängige Krankheit. Dies lässt sich dadurch belegen, dass weder die Schwere der Angst-Symptome noch die Dauer der Angsterkrankung in einem allgemeinen Zusammenhang mit dem Ausmaß der Depressionen stehen. So ist es möglich, dass jemand unter schwersten Angststörungen leidet, ohne deshalb depressiv zu sein, wogegen ein anderer bei mäßigen Angstzuständen völlig verzweifelt. Demnach gibt es Mischformen von Angststörungen und Depressionen in den verschiedensten Ausprägungen, bei denen die einzelnen Komponenten unterschiedliches Gewicht haben. Dies macht es oft sehr schwierig, diese Krankheitsbilder in die relativ eng und sehr genau definierten psychiatrischen Diagnosekriterien einzuordnen. Dadurch kommt es nicht selten vor, dass die jeweils schwächeren Symptome einer der beiden Krankheiten übersehen, nicht erkannt und nicht ausreichend mitbehandelt werden. Zu Fehldiagnosen kommt es oft auch deshalb, weil sich bei Angsterkrankungen und Depressionen oft ähnliche Symptome zeigen. Es kann bei beiden Erkrankungen zu Schlafstörungen, verändertem Appetit, Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit, Müdigkeit, Energielosigkeit und zu unspezifischen Herz-Kreislauf- oder Magen-Darm-Beschwerden kommen. Wenn Angst und depressive Symptomatik gleich ausgeprägt erscheinen, wird nach dem ICD-10 die Diagnose "Angst und depressive Stimmung, gemischt" gestellt.

Menschen, die unter einer gemischt depressiv-ängstlichen Symptomatik leiden, sind bedeutsam kränker, leiden unter mehr Symptomen und nehmen häufiger stationäre

Behandlung in Anspruch. Der Krankheitsverlauf ist insgesamt ungünstiger und es besteht eine größere Suizidgefahr.

Angststörung und somatoforme Störungen

Menschen, die unter Angststörungen leiden, können bei einem chronischen Verlauf ihrer Erkrankung mit der Zeit auch somatoforme Störungen entwickeln.

Dabei handelt es sich um wiederholte körperliche Beschwerden verschiedenster Art, ohne nachweisbare organische Ursache. Die Betroffenen glauben auch nach wiederholten medizinischen Untersuchungen mit negativen Befunden immer noch an organische Ursachen ihrer Symptome.

Es kann bei den Betroffenen zu dauerhaften Missempfindungen, wie Erbrechen, Übelkeit, Blähungen, Durchfall, Rückenschmerzen, Herzrasen, Brustschmerzen, Gedächtnisverlust, Schwindel etc. kommen, die für die Betroffenen mit einem erheblichen Leiden und starken Ängsten verbunden sind. Durch die zahlreichen medizinischen Untersuchungen, verursacht diese Erkrankung extrem hohe Kosten für das Gesundheitssystem.

Angststörung und Alkohol- bzw. Medikamentenmissbrauch

Studien haben ergeben, dass in Deutschland 20% der Menschen, die unter Angststörungen leiden, einen Substanzmissbrauch bzw. eine Substanzabhängigkeit entwickeln. Sie greifen zu Alkohol oder/und Tranquilizern, um das Vermeidungsverhalten und die Erwartungsangst zu reduzieren, und um ihre Erkrankung vor anderen verbergen zu können. Aufgrund der hemmenden Wirkung des Alkohols auf das Zentralnervensystem kommt es bei geringen Mengen von Alkoholkonsum meist zu einer Lösung der Angst, zum Abbau von Hemmungen und zu einer Steigerung des Selbstwertgefühls. Daneben wirkt Alkohol auch Schlaf fördernd, schmerzlindernd und entspannend. Werden jedoch größere Mengen von Alkohol getrunken, kann es zu Bewusstseinsstörungen, Gleichgewichtsstörungen und auch zu einer Zunahme der Ängstlichkeit kommen. Bei einer chronischen Alkoholabhängigkeit können durch die körperlichen, psychischen und sozialen Konsequenzen Spannungen und Ängste erzeugt werden. Alkohol bekommt dann oft die Aufgabe, diese Ängste kurzfristig zu dämpfen oder zu verdrängen, so dass ein Teufelskreis entsteht.

Die Alkohol- und/ oder Medikamentenabhängigkeit ist eine sehr komplexe Erkrankung mit körperlichen, gedanklichen und gefühlsmäßigen Komponenten. Liegt der Erkrankung zusätzlich eine Angststörung zugrunde, so wird das Problem noch vielschichtiger. Um die Angststörung angemessen behandeln zu können, muss zunächst die Suchterkrankung bewältigt werden. Allerdings kann eine Angsterkrankung, die nicht erkannt oder nur unzureichend behandelt wurde, zu einem Rückfall der alkohol- und/oder Medikamentenabhängigkeit führen.

Es ist jedoch auch der umgekehrte Zusammenhang von Angst und Alkohol möglich, d.h. Angst kann auch als Folge des Alkoholmissbrauchs auftreten. Die sekundäre Angststörung muss jedoch nicht auf einer direkten Alkoholwirkung beruhen, sondern kann auch durch einen Alkoholentzug bedingt sein, da es hierbei zu neurobiologischen Veränderungen kommen kann.

Eine Medikamentenabhängigkeit entwickelt sich in der Regel viel schneller als eine Alkoholabhängigkeit, da die Tranquilizer anfangs vom Arzt verordnet werden und weil die soziale Kontrolle fehlt, da die Tabletten problemlos heimlich eingenommen werden können.