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Kategorisierung und Diagnostik der Angststörungen

Bezüglich der Beschreibung und Einordnung von Angststörungen war es in den letzten hundert Jahren zu einer unübersichtlichen und verwirrenden Vielzahl von Begrifflichkeiten, wie z.B. Angstneurose, Angsthysterie, Herzneurose, Platzangst, Klaustrophobie gekommen. Erst in den letzten Jahrzehnten kam es zur Entwicklung einheitlicher diagnostischer Leitlinien. Heute findet man in Klassifikationssystemen wie der (in Europa gebräuchlichen) International Classification of Diseases (ICD) und dem (amerikanischen) Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM), genau festgelegte Kriterien dafür, wann eine bestimmte Diagnose vorliegt. Wenn nach diesen Klassifikationssystemen eine Diagnose gegeben ist, so wird die Erkrankung nach der deutschen Sozialgesetzgebung (SGB V) als Störung mit Krankheitswert anerkannt. Die Behandlung der Erkrankung gehört dann zur Regelversorgung im Rahmen der gesetztlichen Krankenversicherung. Somit hat die Diagnostik auch eine unmittelbare versorgungspraktische und juristische Bedeutung.

Zwischen den beiden Klassifikationssystemen bestehen einige wichtige Unterschiede.

Das ICD-10 zählt die Agoraphobie, die soziale und spezifische Phobie, die Panikstörung, Generalisierte Angststörung, Angst und depressive Störung (gemischt) und sonstige gemischte Angststörungen zu den Angststörungen. Im DSM-IV jedoch werden darüber hinaus auch die Zwangsstörung, die organisch bedingte sowie die substanzinduzierte Angststörung und die akute sowie die posttraumatische Belastungsstörung den Angststörungen zugeordnet. Von vielen Wissenschaftlern wird das DSM-IV vorgezogen, da es wesentlich präziser ist. Die Zuordnung der Zwangsstörung zu den Angststörungen ist jedoch unter den Fachleuten sehr umstritten.

Im Mittelpunkt der Diagnostik steht das ärztliche Gespräch. Es muss zunächst eine gründliche biographische Anamnese (Lebensgeschichte) gemacht werden. Besonders wichtig sind auch die Erhebung der aktuellen Lebenssituation, die Einschätzung des Schweregrades der Symptomatik und der sozialen Einschränkungen. Dies ist notwendig, um feststellen zu können, ob es sich um eine "normale" oder um eine "krankhafte" Angst handelt. Aufgrund der Ergebnisse kann der Arzt eine erste Verdachtsdiagnose stellen.

Es sollte aber immer auch eine ausführliche medizinische Untersuchung stattfinden, um eine körperliche Ursache ausschließen zu können. Als Standardprogramm wird hierfür zunächst eine medizinische Anamnese erhoben. Daran sollte sich eine körperliche und allgemeinmedizinisch-neurologische Untersuchung, eine umfangreiche Blut- und Urinuntersuchung (einschließlich Schilddrüsenhormone), Blutdruckmessung, EKG und EEG anschließen. Falls sich hieraus ein bestimmter Verdacht auf eine

körperliche Erkrankung ergeben sollte, folgen noch weitere Untersuchungen, wie z.B. Computer- oder Kernspintomographie des Gehirns, 24-Stunden- oder Belastungs-EKG, Röntgenaufnahmen oder weitere Labordiagnostik. Da es auch in der Medizin keine absolute Sicherheit gibt, liegt es im Ermessen und der Erfahrung des behandelnden Arztes, zu entscheiden, welche medizinischen Untersuchungen im Einzelfall zur Diagnosestellung ausreichend sind. Wurde eine körperliche Ursache der Symptome ausgeschlossen, muss eine Differentialdiagnose zwischen den unterschiedlichen Formen der Angststörungen sowie der Ausschluss einer anderen psychischen Störung erfolgen. Die Unterscheidung zwischen Angst und Depression ist hierbei besonders wichtig, aber auch besonders schwierig, da die beiden Störungen oft ineinander übergehen, einander vorausgehen oder sich gegenseitig bedingen und verstärken. Da Ängste aber auch häufig als Begleitsymptomatik bei einer Vielzahl von anderen Erkrankungen auftreten können, ist die Differentialdiagnostik im Allgemeinen immer sehr schwierig. Eine unklare Befundlage, kann unter Umständen zu zahlreichen, kostenintensiven Untersuchungen und Abklärungen führen. Zur Unterstützung der allgemeinen psychiatrischen Diagnostik verwendet man auch oft testpsychologische Verfahren, wie z.B. die Hamilton-Angstskala zur Fremdbeurteilung und die State-Trait-Anxiety-Inventory Skala zur Selbstbeurteilung.