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Behandlungsmöglichkeiten

Angststörungen werden durch medikamentöse und/oder psychotherapeutische Verfahren behandelt. Der gleichzeitige Einsatz von Psychopharmaka und Psychotherapie ist von Fachleuten jedoch sehr umstritten. Einerseits sind manche Patienten so stark durch ihre Ängste eingeschränkt, dass sie mit einer Verhaltenstherapie völlig überfordert wären und erst mit Hilfe von Medikamenten für verhaltenstherapeutische Maßnahmen wieder aufnahmefähig werden. Andererseits reduzieren Psychopharmaka die Angstsymptome, was die Konfrontation mit den Ängsten und das Aufarbeiten von Konflikten erschwert.

Bisher kann man auch nicht sagen, welches Behandlungsverfahren sich für welche Angststörung und für welchen Patienten am besten eignet, da noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Vergleiche zwischen der Wirksamkeit einzelner Behandlungsverfahren vorliegen. In der Praxis orientiert man sich deshalb vor allem an der bereits gewonnenen Erfahrung mit bestimmten Behandlungsverfahren.

Bei der Entscheidung für eine bestimmte Behandlungsform sollte man auf jeden Fall eine genaue Analyse der Angststörung durchführen. Hierbei sollte man nicht nur das klinische Erscheinungsbild, sondern auch die Persönlichkeitsfaktoren, den biographischen und psychosozialen Hintergrund sowie die verhaltensbezogene Motivation berücksichtigen. Zur Behandlung von Angstanfällen und Phobien werden heute vor allem medikamentöse und/oder verhaltenstherapeutische Maßnahmen eingesetzt, während man Angstformen mit schweren Persönlichkeitsstörungen vor allem mit psychoanalytischen Verfahren behandelt. Es werden aber auch oft zusätzlich noch andere Therapieverfahren (z.b. integrative, konzentrative oder systemische Therapieverfahren) in die Behandlung mit einbezogen. Falls der Angststörung noch eine andere psychische oder körperliche Erkrankung zugrunde liegt, muss diese unbedingt mitbehandelt werden. Leider kommt es nicht selten vor, dass die Betroffenen letztendlich doch nicht den Therapieplatz bekommen können, der für sie am besten geeignet wäre, da für manche Therapieplätze sehr lange Wartelisten bestehen. Unter Umständen muss dann doch zunächst eine medikamentöse Behandlung durch den Hausarzt erfolgen, da gerade für Angstpatienten ein monatelanges Warten auf einen bestimmten Therapieplatz eine große Belastung darstellt.

Man muss auch abwägen, ob eine ambulante Therapie in Frage kommt, oder ob die Angststörung schon so weit fortgeschritten ist, dass es sinnvoller erscheint, zunächst mit einer stationären Behandlung zu beginnen. Die therapeutische Behandlung in einer Klinik ist wesentlich intensiver und bietet ein umfangreiches Angebot an Therapiemöglichkeiten.

Ein weiterer Vorteil der stationären Behandlung ist, dass der Betroffene aus seinem gewohnten sozialen Umfeld herausgenommen und so vor den täglichen Stressoren geschont wird. Zudem besteht die Möglichkeit, an therapeutischer Gruppenarbeit teilzunehmen und soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen.

Von den vielen Psychotherapien, die auf dem "freien Markt" zur Behandlung von Angststörungen zur Verfügung stehen, sind nur drei von unserem Gesundheitssystem als so genannte Richtlinienverfahren anerkannt. Bei einer ambulanten Therapie werden nur diese drei Verfahren von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert, während bei einem stationären Verfahren auch andere wirksame Therapien finanziell abgedeckt werden.

Die drei anerkannten Richtlinienverfahren sind die Verhaltenstherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Psychoanalyse.

Seit dem neuen Psychotherapeuten-Gesetz von 1998 dürfen ausschließlich psychologische Psychotherapeuten, d.h. Diplom-Psychologen und ärztliche Psychotherapeuten, die Berufsbezeichnung "Psychotherapeut" führen. Ausschließlich diese beiden Berufsgruppen können eine Zulassung zur Ausübung einer Psychotherapie im Rahmen der gesetzlich geregelten Gesundheitsversorgung beantragen. Dies bedeutet, dass man die Kosten einer Therapie nur dann von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet bekommt, wenn die Therapie von einem Diplom-Psychologen oder einem ärztlichen Psychotherapeuten durchgeführt wird.

Zu Beginn einer ambulanten Therapie stehen dem Betroffenen fünf so genannte probatorische Sitzungen frei. Dies bedeutet, dass man sich erst nach fünf Sitzungen entscheiden muss, ob man die Therapie bei dem zuerst gewählten Therapeuten fortsetzen möchte oder lieber einen weiteren Therapeuten aufsucht um erneut zu prüfen, ob dieser für die Problematik vielleicht besser geeignet ist. Die probatorischen Sitzungen sind zur beiderseitigen Orientierung und Abstimmung vorgesehen, d.h. auch der Therapeut muss mit dem Klienten einverstanden sein.

Psychotherapeutische Verfahren:

Verhaltenstherapie

Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Verhaltenstherapie eine sehr Erfolg versprechende Form der Psychotherapie bei Angststörungen ist.

Die verhaltenstherapeutischen Methoden zur Behandlung von Angststörungen basieren vor allem auf ausführlichen Gesprächen zwischen dem Betroffenen und dem Therapeuten. Zunächst wird durch eine Verhaltensanalyse geklärt, wodurch bei dem Betroffenen die Angststörung ausgelöst wurde, und was sie weiter bestehen lässt.

Je nach Therapieziel werden sehr unterschiedliche verhaltenstherapeutische Verfahren angewendet, die an unterschiedlichen Aspekten der Angst ansetzen. Zu den wichtigsten verhaltenstherapeutischen Methoden gehören die Expositionstherapie, die kognitive Therapie sowie die systematische Desensibilisierung. Alle Methoden haben das Ziel, den Teufelskreis von Angst und Vermeidung zu durchbrechen. Es werden praktische Übungen zur aktiven Angstbewältigung mit einbezogen und Strategien zur Selbsthilfe bei akuten Angstgefühlen vermittelt. Beim Expositionsverfahren wird der Betroffene zunächst gedanklich, später real, mit den Angst auslösenden Situationen konfrontiert. Durch das Zulassen der Ängste und das Aushalten der Situation kann der Betroffene die Erfahrung machen, dass er selbst die Angst bewältigen kann, ihm nichts dabei passiert, die Ängste wieder vergehen und er selbst die Situation, seine Gedanken und Gefühle aktiv beeinflussen kann. Die systematische Desensibilisierung konzentriert sich auf die körperliche Komponente der Angststörung und wird durch bestimmte Entspannungsverfahren, wie z.B. dem Autogenen Training und der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson unterstützt.

Man geht hierbei von der wissenschaftlichen Erkenntnis aus, dass man in einem entspannten Zustand keine Angstsymptome bekommen kann. Der Betroffene soll deshalb zunächst lernen, wie er seinen Körper entspannen kann, um später diese Methode in einer von ihm gefürchteten Angstsituation einsetzen zu können. Dabei wird der Betroffene schrittweise mit der gefürchteten Situation vertraut gemacht, d.h. anfangs werden die entsprechenden Angstsituationen nur in der Vorstellung aufgesucht.

Die kognitiven Verfahren haben das Ziel, mit Hilfe gedanklicher Übungen den häufig automatisch auftretenden Angstgedanken und Selbstgesprächen des Betroffenen entgegenzuwirken. Der Betroffene soll lernen, die entsprechenden Angstsituationen realistischer zu bewerten. Bei allen Verfahren ist es außerordentlich wichtig, dass der Betroffene die vom Therapeuten aufgegebenen Übungen regelmäßig durchführt, damit die Therapie auch zum Erfolg führt.

Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Obwohl die Bezeichnung "tiefenpsychologisch" oft gleichbedeutend mit Psychoanalyse gebraucht wird, handelt es sich bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie und der Psychoanalyse nicht um dieselbe Therapie. Es besteht nur ein gemeinsamer theoretischer Hintergrund, nämlich die von Sigmund Freud entwickelte Therapiemethode (Psychoanalysetheorie) für psychische Störungen. Diese Methode hat zum Ziel, nicht bewusste Bedeutungen von Worten, Handlungen und Vorstellungen aufzudecken. Es wird versucht, die Widerstände, Übertragungen oder geheimen Wünsche des Patienten zu deuten, bewusst zu machen und somit eine Veränderung zu bewirken.

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie unterscheidet sich von der Psychoanalyse in Form, Dauer und Ziel der Behandlung. Die Psychoanalyse hat die Behandlung und die mögliche Veränderung der gesamten Persönlichkeit zum Ziel, findet oft im Liegen statt und dauert mehrere Jahre bei mehreren Behandlungsterminen pro Woche. Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie hingegen hat die Bearbeitung der umschriebenen Konflikte zum Ziel, findet im Sitzen statt und dauert in der Regel zwischen einem halben und zwei Jahren mit einer Sitzung pro Woche.

Die tiefenpsychologisch fundierte Therapie geht davon aus, dass aktuelle gegenwärtige Probleme und Konflikte auf schwierige Erfahrungen und Traumatisierungen in der Kindheit zurückzuführen sind. Es wird deshalb vor Beginn der Therapie eine sorgfältige biographische Anamnese des Klienten erstellt, um dessen Lebensgeschichte und Erfahrungen zu verstehen. Im Laufe der Therapie kommt der Klient über die Arbeit mit Träumen, Assoziationen und Phantasien in Kontakt mit vorher unbewussten Teilen seiner Persönlichkeit. Diese Einsicht in die inneren Konflikte ermöglicht eine bewusste Verarbeitung von Problemen und bewirkt auch eine Veränderung im Umgang mit aktuellen Konflikten. Während der Therapie spielt die Beziehung zwischen Klient und Therapeut eine zentrale Rolle. Der Therapeut versucht alte Beziehungsmuster des Klienten zu erkennen, aufzudecken und dem Klienten bewusst zu machen. Dies soll dem Klienten eine größere Variationsbreite des Verhaltens ermöglichen und verhindern, dass er immer wieder die gleichen Fehler macht.

(Eine hilfreiche Einführung in die unterschiedlichsten Therapieverfahren finden Sie unter www.psychotherapiesuche.de unter der Rubrik Psychotherapie)

Medikamentöse Verfahren:

Zur Behandlung von Angststörungen gibt es heute schon eine Reihe von Psychopharmaka mit unterschiedlicher Wirkungsweise. Es ist deshalb nicht einfach, zu entscheiden, welches Medikament sich bei welcher Angststörung und bei welchem Patienten am besten eignet, und ob die Einnahme von Medikamenten überhaupt gerechtfertigt ist. Psychopharmaka sind jedoch immer dann angezeigt, wenn eine Angststörung nicht mehr zu kontrollieren ist. Auch wenn die Erwartungsangst so groß ist, dass keine sozialen Aktivitäten mehr möglich sind, oder wenn die Angst mit Depressionen einhergeht, scheint eine medikamentöse Behandlung sinnvoll zu sein.

Menschen mit Angststörungen sollten jedoch unbedingt einen kompetenten Arzt, am besten einen Psychiater, zur Verordnung der Medikamente aufsuchen. Leider werden heutzutage 80% aller Psychopharmaka von praktischen Ärzten oder Internisten verordnet. Dies führt nicht selten dazu, dass Betroffene oft monatelang erfolglos unterschiedliche Medikamente einnehmen. Ein kompetenter Arzt wird vor der medikamentösen Behandlung auf jeden Fall eine gründliche Anamnese und eine körperliche Untersuchung durchführen. Der Betroffene sollte über die Wirkungsweise und insbesondere über die möglichen Nebenwirkungen der Medikamente aufgeklärt werden, da die meisten Angstpatienten äußerst sensibel auf körperliche Empfindungen reagieren und deshalb oft dazu neigen, die Medikamente sehr schnell wieder abzusetzen. Manche Medikamente, wie z.B. Antidepressiva, wirken aber erst nach ca. 2-3 Wochen, d.h. es ist vom Patienten viel Geduld gefordert. Oft ist es auch nötig eine Kombination verschiedener Medikamente auszuprobieren, um eine optimale Wirkung zu erreichen. Auch die geeignete Dosierung wird nicht immer gleich richtig getroffen. Um die Nebenwirkungen zu minimieren, werden die Psychopharmaka meist zu niedrig dosiert und somit nicht die gewünschte Wirkung erzielt. Die wichtigsten Medikamentengruppen zur Behandlung von Angststörungen sind Tranquillizer (meist Benzodiazepine), Trizyklische Antidepressiva, Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und Monoaminoxidase-Hemmer. Am häufigsten werden Tranquillizer verordnet, da sie eine sofortige Wirkung haben. Sie wirken beruhigend und ausgleichend, lösen Spannungen und Ängste und sind im Allgemeinen gut verträglich. Allerdings haben sie den großen Nachteil, dass sie schon nach relativ kurzer Zeit süchtig machen und der positive Effekt oft schon nach vergleichsweise kurzer Zeit nachlässt. Tranquillizer sollten deshalb nur gezielt bei akuten Angstzuständen oder bis zur Wirsamkeit eines langsamer wirkenden Medikamentes eingenommen werden. Neben den Serotonin-Wiederaufnahmehemmern gelten die Trizyklischen Antidepressiva als die wirksamsten Medikamente. Ihre stimmungsaufhellende und dämpfende oder aktivierende Wirkung setzt jedoch erst nach ca. 2-3 Wochen ein. Leider kann es besonders zu Behandlungsbeginn zu einer Vielzahl von Nebenwirkungen wie Schwindel, Mundtrockenheit, Gewichtszunahme, Übelkeit und Benommenheit kommen. Meist lassen diese Irritationen beim Einsetzen der Wirkung jedoch deutlich nach. Eine neue Generation von Antidepressiva sind die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, die erst in den letzten Jahren entwickelt wurden. Sie haben gegenüber den herkömmlichen Antidepressiva den Vorteil, dass sie gezielter und schonender wirken, sind aber trotz allem nicht ohne Nebenwirkungen. Monoaminoxidase–Hemmer werden von vielen Fachleuten zur Behandlung von Angststörungen abgelehnt, vor allem weil sie nicht einfach anzuwenden sind. Sie erfordern eine tyraminfreie Diät und dürfen mit bestimmten Psychopharmaka nicht kombiniert werden. Insbesondere bei sozialen Phobien werden manchmal auch Beta-Blocker verordnet, da sie bestimmte Angstsymptome, wie Herzklopfen, Zittern etc. lindern können. Das subjektive Angsterleben wird jedoch durch Beta-Blocker nicht beeinflusst. Deshalb sind sie im Allgemeinen nicht zur Behandlung von Angststörungen geeignet.