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Problemlage

Ein grundlegendes Problem der Menschen die unter Angststörungen leiden, ist die Tatsache, dass es in Deutschland nicht genügend Psychotherapeuten gibt, an die sich die Betroffenen zur Behandlung ihrer Angststörungen wenden können.

Eine bundesrepräsentative Studie zur Lage der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung der Erwachsenen in der BRD (2003) hat ergeben, dass die Wartezeit auf einen Therapieplatz im Durchschnitt 4,6 Monate beträgt. Hat der Betroffene einen Therapieplatz gefunden, ergibt sich in der Regel nochmals eine Wartezeit bis das Gutachten des Therapeuten von der Krankenkasse beurteilt ist und die Kostenübernahmeerklärung vorliegt. Diese Wartezeit ist für die Betroffenen, die sich ohnehin schon sehr hilflos fühlen, viel zu lang und führt sie leider noch tiefer in die Angst hinein. Das Gefühl des allein gelassen seins und der Hilflosigkeit wird dadurch noch verstärkt. Die körperlichen Symptome, die Erwartungsangst und das Vermeidungsverhalten nehmen zu. Letztlich können die Ängste für das Leben der Betroffenen so beeinträchtigend sein, dass sie nicht mehr berufstätig sein können und ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen können. Zusätzlich können auch noch Folgeerkrankungen, wie z.B. Depression oder Suchtmittelabhängigkeit hinzukommen. Darüber hinaus führen Angststörungen häufig auch zu Partnerproblemen, sozialer Isolation und Frührente. Auch die Suizidrate ist bei Angststörungen erhöht.

Zeit spielt deshalb bei den Angsterkrankungen eine große Rolle, d.h. je länger eine Angsterkrankung schon andauert umso länger dauert in der Regel die Behandlung.

Leider warten die meisten Betroffenen selbst erst längere Zeit, bevor sie Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Sie haben Angst, mit einer psychiatrischen Diagnose belegt zu werden, da die Stigmatisierung psychisch Kranker leider noch immer weit verbreitet ist und haben deshalb auch Hemmungen, eine psychosoziale Beratungsstelle aufzusuchen. Auch die Tatsache, dass das Thema "Angst" in unserer Gesellschaft ein Tabuthema ist und noch immer sehr wenig Öffentlichkeitsarbeit über Angststörungen gemacht wird, verhindert, dass die Betroffenen sich frühzeitig zu ihren Ängsten bekennen und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Meist nehmen sie diese erst dann in Anspruch, wenn ihr Problemdruck schon übermäßig groß ist und sie keine andere Möglichkeit mehr sehen. Die Tatsache, dass sie dann erst noch mal längere Zeit auf einen geeigneten Therapieplatz warten müssen, bringt viele in große Verzweiflung und macht die Angst noch größer. Durch die mangelnde Öffentlichkeitsarbeit und einen zu geringen Informationsfluss sind die Betroffenen (zumindest am Anfang ihrer Erkrankung) meist zu wenig über Angststörungen, Behandlungsmöglichkeiten und Hilfeeinrichtungen informiert. Dies stellt ebenfalls ein großes Hindernis zur Früherkennung und frühzeitigen Behandlung der Erkrankung dar.

Durchschnittlich dauert es bis zur richtigen Diagnosestellung und adäquaten Behandlung der Erkrankung sieben Jahre. Manchmal kommt es vor, dass Patienten sogar 20 Jahre lang nicht adäquat versorgt werden.

Häufigkeiten

Das Zusatzsurvey "Psychische Störungen" des bundesweiten Gesundheitssurveys (BGS 98) machte es 1998 erstmals möglich, die Prävalenz psychischer Störungen in der Bundesrepublik Deutschland verlässlich abzuschätzen. Die bundesweite epidemiologische Studie ergab, dass 14,2% der Befragten im Alter von 18 bis 65 Jahren (das entspricht fast 7 Millionen der 18 bis 65jährigen deutschen Bevölkerung) innerhalb eines Jahres unter einer klinisch relevanten Angststörung leiden. Frauen leiden ungefähr doppelt so häufig an einer Angststörung wie Männer. Aufgrund erhebungsmethodischer Schwierigkeiten wurde die Lebenszeitprävalenz (Anzahl der Leute, die irgendwann im Laufe ihres Lebens einmal von einer Angststörung betroffen waren) nur für Panikstörungen (3,9%) ermittelt. Studien, die in anderen Ländern durchgeführt wurden, ergaben allerdings nur eine geringfügige Differenz zwischen 12-Monats und Lebenszeitprävalenz. Man kann deshalb annehmen, dass Angststörungen im Gegensatz zu den oft episodisch verlaufenden Depressionen, meistens chronisch verlaufen. Auch die Tatsache, dass im Altersbereich von 18 bis 65 Jahren Angststörungen etwa gleich häufig zu finden sind, deutet indirekt auf einen chronischen Verlauf der Angststörungen hin. Die Befunde des BGS 98 stimmen weitgehend mit anderen aktuellen nationalen und internationalen Studien zur Prävalenz von Angststörungen überein. Zum Beispiel ergab die so genannte ECA–Studie, die 1980 in den USA durchgeführt wurde, dass 14,6% der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens an einer Angststörung leiden und die Münchner 7-Jahres-Follow-up-Studie (MFS) des Max-Planck-Instituts ergab 13,9%.

Obwohl einzelne Studien in den 90er Jahren ergaben, dass in den neuen Bundesländern Angststörungen häufiger auftreten als in den alten Bundesländern, ergeben die Befunde des Zusatzsurveys keinen Hinweis darauf. Auch nach anderen regionalen Einteilungsgesichtspunkten (z.B. Stadt versus Land) ergeben sich hinsichtlich der Prävalenz nur geringfügige Unterschiede. Die am häufigsten vorkommenden Angststörungen sind die spezifischen Phobien, gefolgt von den nicht näher bezeichneten Angststörungen, den Panikstörungen und den Sozialen Phobien.

Laut des Gesundheitsreports der DAK, vom 12.04.2005, ist die Zahl der Krankheitstage aufgrund von Angststörungen, in den letzten fünf Jahren, um 27 Prozent und aufgrund von depressiven Störungen, sogar um 42 Prozent angestiegen. Man kann demnach annehmen, dass die Zahl der Angststörungen in den letzten Jahren zugenommen hat.

Der Hausarzt als erste Anlaufstelle

Die Hausärzte spielen bei der Diagnosestellung von Angststörungen eine sehr große Rolle, da sie in der Regel für die Betroffenen die erste Anlaufstelle sind. Sie haben einen großen Einfluss auf den weiteren Krankheitsverlauf, da es meist von ihnen abhängt, ob eine Angsterkrankung frühzeitig erkannt und adäquat behandelt wird, oder nicht.

Bisher liegen zur Prävalenz von Angststörungen in der Allgemeinarztpraxis nur wenige verlässliche Daten vor. Eine weltweite Studie der WHO hat jedoch ergeben, dass Menschen, die unter einer generalisierten Angststörung leiden, besonders häufig Allgemeinarztpraxen aufsuchen. Bei mehr als 7% der Patienten, die in einer Stichtagsperiode beurteilt wurden, konnte man die Symptome einer generalisierten Angststörung feststellen. Nach Depressionen ist die generalisierte Angststörung somit die zweithäufigste psychische Störung in Allgemeinarztpraxen überhaupt.

Auch die GAD-P-Studie (Generalisierte Angst und Depression im primärärztlichen Bereich), eine hausärztliche Stichtagsprävalenzstudie, brachte ähnliche Ergebnisse.

Die Befunde ergaben auch, dass ein Drittel der Betroffenen gleichzeitig unter schweren Depressionen leidet und im Durchschnitt 11,2 Mal pro Jahr den Hausarzt aufsucht. Zugleich zeigen die Befunde erhebliche Versorgungsmängel auf. Nur 34,4% aller Patienten die unter einer generalisierten Angststörung leiden werden vom Hausarzt richtig diagnostiziert und weniger als 10% aller Betroffenen erhalten eine adäquate Behandlung oder Überweisung zu einem Facharzt. Über andere Angststörungen liegen bisher keine entsprechend differenzierten Daten vor.

Insbesondere auch Ärzte aus dem nichtpsychiatrischen oder – psychotherapeutischen Bereich sollten mit dem Krankheitsbild der Angststörungen vertraut sein, da 30% der Menschen die einen Hausarzt aufsuchen, an einer Angststörung leiden. Nach einer Studie von Müller (vgl. Müller, A. 1991, in Eichenberg, C.) sieht dies in der Realität jedoch meist anders aus. Von den befragten Allgemeinmedizinern waren fast 88% mit ihrer Ausbildung in psychologisch/psychiatrischen Fächern an der Universität nicht zufrieden. Zwei Drittel der Befragten beklagten vor allem einen fehlenden oder mangelhaften Praxisbezug. Laut WHO- Studie werden rund 50% aller Angststörungen vom Hausarzt nicht erkannt oder als somatische Störung bzw. Depression falsch diagnostiziert. Darüber hinaus werden nach Expertenurteil weitere 25% falsch behandelt. Angstpatienten, die von den Ärzten frühzeitig erkannt und richtig behandelt wurden, wiesen eine kürzere Erkrankungsdauer auf. Die Früherkennung der Angststörungen hat somit eine positive Wirkung auf den Krankheitsverlauf.

Nach Morschitzky ergab eine andere Umfrage, dass Menschen mit Angststörungen, angesichts des nötigen Zeitaufwands, für die Allgemeinärzte oft eine große Belastung darstellen. 54% der befragten Allgemeinärzte und Nervenärzte in Deutschland gaben an, dass Angstpatienten für die Praxis eine große Belastung seien und 91,7% meinten, dass die Versorgung von Angstpatienten im Vergleich zu anderen Patienten sehr viel zeitaufwendiger sei.

Um dieses Problem zu entschärfen, verordnen die Ärzte oft Tranquilizer, obwohl sie wissen, dass dies keine Lösung ist. Werden die Patienten über längere Zeit nur mit Medikamenten behandelt und nicht rasch in eine Therapie überwiesen, verlängert sich das Leiden und es kann leicht zu einer Chronifizierung der Erkrankung kommen.

Kosten

Aufgrund ihrer Häufigkeit verursachen Angststörungen hohe und andauernde Kosten für das Gesundheits– und Sozialsystem. Nach den Befunden nationaler und internationaler Studien verursachen generalisierte Angststörungen, Panikstörungen und Phobien aufgrund von Arbeitsausfalltagen zumindest ebenso hohe indirekte Kosten wie Depressionen und einige somatische Erkrankungen. Personen mit einer sozialen Phobie sind beispielsweise durchschnittlich dreimal häufiger nicht in der Lage, ihre alltäglichen Aufgaben zu bewältigen als Personen ohne psychische Störung.

In den USA durchgeführte Studien legen nahe, dass bei Menschen, die unter Angststörungen leiden, nicht nur kurzzeitige Krankheitstage, sondern auch längerfristige Arbeitslosigkeit deutlich erhöht sind. Es existieren auch Daten der Rentenversicherungsträger, die belegen, dass Angststörungen nicht nur zur Arbeitsunfähigkeit führen können, sondern, meist bedingt durch den chronischen Verlauf bestimmter Erkrankungsformen, auch zu vorzeitigen Berentungen führen. Danach stellten im Jahr 2002 insgesamt 1 237 Männer und 2 274 Frauen einen Antrag auf Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit aufgrund einer Angststörung. Das Durchschnittsalter der Rentenzugänge wegen verminderter Erwerbsfähigkeit lag bei 47 Jahren für Männer und bei 49 Jahren für Frauen.

Es entstehen auch immer wieder hohe Kosten durch zahlreiche unnötige weitere Untersuchungen, die von vielen Angstpatienten aufgrund ihrer Besorgnis immer wieder gefordert werden. Häufig suchen die Betroffenen sogar mehrere Ärzte parallel auf ("Doctor Shopping"), wobei noch mehr Kosten entstehen.

Auch durch Unsicherheiten seitens des behandelnden Arztes kommt es oft zu unnötigen weiteren medizinischen Untersuchungen zur diagnostischen Abklärung der Erkrankung.

Bei schweren Angststörungen wird meist eine stationäre Behandlung notwendig, die nicht selten einen kostenintensiven Klinikaufenthalt von 4 bis 5 Monaten erforderlich macht.

Die Wirtschaftswissenschaftler Panse und Stegmann beziffern in ihrer Studie "Kostenfaktor Angst" , den volkswirtschaftlichen Schaden, der durch Angststörungen jährlich in Deutschland entsteht, mit etwa 46 Milliarden Euro.